
Goldknopfgasse 7
85049 Ingolstadt
Die Hohe Schule ist ein Profanbau aus dem 15. Jahrhundert in der Altstadt. Der mehrgeschossige Bau mit hohem Satteldach hat einen durch Kantlisenen gegliedertem Nordgiebel mit Dachreiter. Das Gebäude diente im Laufe der Zeit unterschiedlichen Einrichtungen und wurde baulich mehrfach leicht verändert. Das Gebäude umschließt einen Innenhof und enthielt neben Hörsälen und Bibliotheksräumen auch Verwaltungsbüros und Professorenwohnungen.
Das Gebäude wurde 1429 als Pfründnerhaus von Herzog Ludwig dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt gestiftet, wobei die dort untergebrachten Armen für das Seelenheil des Herzogs beten sollten. Mit dem Bau wurde um 1434 begonnen, wobei eine dendrochronologische Analyse des Dachstuhls eine Datierung auf die Jahre 1435/36 ergab. Bei der Stiftung wurde dem Bischof von Eichstätt das Recht eingeräumt, den Bau für andere, heilsamere Zwecke zu verwenden.
Seit 1458 bestanden Absichten zur Gründung einer Universität in Bayern. Als diese von Ludwig dem Reichen 1472 mit päpstlichem Privileg errichtet wurde, kamen Papst und Bischof auf die Möglichkeit einer alternativen Nutzung des Pfründnerhauses zurück und übereigneten es der jungen Universität. Ab 1472 wurde das Pfründnerhaus zum Universitätsgebäude umgebaut und war anschließend von 1503 bis 1800 Sitz der ersten bayerischen Landesuniversität. Da die Größe des Gebäudes bald nicht mehr ausreichte wurden für einzelne Fakultäten eigene Gebäude, wie etwa für die medizinische Fakultät die Anatomie gebaut. Etwa fünfzig Jahre vor dem Wegzug der Universität aus Ingolstadt im Jahr 1800 mussten an der Hohe Schule umfangreiche Reparaturen durchgeführt werden. Mit dem Wegzug verlor das Gebäude zwar seine Funktion als Universitätsgebäude, der Begriff Hohe Schule für den Bau blieb jedoch erhalten.
Auch nach seiner Universitätszeit war das Gebäude ein Ort der Bildung und wurde überwiegend als Schulhaus genutzt. Bereits Anfang der 1930er Jahre wurde die Hohe Schule zum Teil vom Stadtbaurat Franz Xaver Schwäbl historisierend umgebaut und in diesen Jahren entstand das lebensgroße Fresko von Maler Johannes Eppelein. In den 1990er Jahren erfolgte eine umfassende Sanierung, die eine weitere Nutzung des Gebäudes ermöglichte. Trotz ihrer schlichten Erscheinung besitzt die Hohe Schule außergewöhnlichen historischen Rang. Sie ist eines der wenigen erhaltenen Universitätsgebäude aus dem 15. Jahrhundert in Mitteleuropa und zeugt vom Aufstieg Ingolstadts zur Bildungs- und Wissenschaftsstadt.
Parkplatz "Hallenbad" (852 tw. kostenpflichtige Parkplätze, ca. 5 Minuten entfernt)