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Teil 7

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Elisabeth Willner Bürgerin aus Ingolstadt

Skelletto, Geister und festliches Finale

Veröffentlicht am 24.10.2025

Aber schon am Morgen des zweiten Tages änderte sich für Piet und seine Mannschaft die Situation: Ein riesiger Skelletto, der sich auf der Suche nach etwas Fressbarem ausgerechnet auf den Schrottplatz der 600 Seelen verirrt hatte, näherte sich neugierig dem U-Boot. Er umkreiste es mehrmals, schnupperte hier und da an der Bootshaut und konnte mit seiner feinen Nase natürlich sofort spüren, dass das Ding lebende Menschen beherbergen musste. Welch eine Aussicht auf eine gute Mahlzeit, wo er an sich selbst schon gezweifelt hatte, als er bemerkte, dass es in der Geister-Kolonie nichts für ihn zu holen gab. Ein Skelletto würde niemals Knochen fressen. Er überlegte, wie er wohl am besten an seine Beute herankommen könnte, als sein Blick auf die Ankerkette fiel, die vom Heckrotor herunterbaumelte. Sofort stürzte er sich darauf, nahm die Kette ins Maul und zerrte daran herum. Das brachte das U-Boot zwar zum Wackeln, sonst passierte aber nichts. Der Skelletto wurde schnell ungeduldig, sein Magen zwickte und wollte gefüllt werden, also riss er immer heftiger an der Ankerkette, um die leckeren Menschen aus ihrer Blechhülle herauszuschleudern. Schließlich setzte er seine messerscharfen Zähne ein, und im Nu war die Kette zerbissen. Allerdings konnte der Skelletto nicht damit rechnen, dass er die Ankerkette genau da zerteilte, wo sie den Heckrotor blockiert hatte. Der begann sich wieder zu drehen und bewegte das U-Boot trotz ausgeschaltetem Motor langsam vorwärts.

Von dem Moment an, als das U-Boot ins Schlingern geriet, hatte Piet von seinem Rundumblick aus das Geschehen beobachtet. Nun stürzte er zur Kommandobrücke hinunter und startete augenblicklich den Motor, denn er wusste, das hier war die Chance, mit Vollgas den Schrottplatz der 600 Seelen hinter sich zu lassen. Die Geister hatten viel zu viel Angst, sich einem Skelletto in den Weg zu stellen. Der Riesenfisch dachte natürlich nicht ans Aufgeben und schwamm zähnefletschend dem U-Boot hinterher. Er war ein ausgezeichneter Jäger und näherte sich seiner Beute Meter um Meter. Piet schwitzte. Er wagte nicht, sich auszumalen, was passieren könnte, wenn jetzt bei seinem altersschwachen Gefährt der Motor schlappmachen würde. Er war so angespannt, dass er nicht mal dem Weihnachtsmann und seinen Wichteln, die durch die große Ruckelei aufgeschreckt inzwischen auch auf der Kommandobrücke standen, die Situation erklären konnte. Immerhin fiel Piet ein, dass Anders-Jonas ein cleveres Kerlchen war, und er sagte zu ihm: „Geh mal nach oben und sieh dir an, was genau los ist. Vielleicht kannst du uns mal wieder aus der Patsche helfen.“

„Aye, aye, Captain!“, rief Anders-Jonas stolz und sprang schon die Stufen zum Panoramafenster hinauf. Der Weihnachtsmann knetete seinen langen Bart, Anatol-Joshua verzog sich eingeschnappt in eine Ecke, und selbst Anton-Jochen schwieg still. Piet ließ die Augen nicht von seinen Bordinstrumenten und befürchtete jeden Moment die Katastrophe auf sich zukommen.

„Was ist?“, brüllte er schließlich nach oben.

Anders-Jonas steckte den Kopf zwischen die Stufen. „Brauchen wir den Heckrotor unbedingt zum Weiterfahren?“, fragte er.

„Na … nein …, nicht unbedingt“, stotterte Piet. „Aber dann müssten wir nur mit Motorkraft langsamer und gleichmäßig fahren. Und solange uns der Skelletto auf den Fersen ist …“

„Schon klar.“ Anders-Jonas stand wieder neben Piet. „Dann gieß jetzt eine große Dose Öl in den Verteiler vom Heckrotor und fahr erst mal genauso schnell weiter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir so das Problem lösen können.“

Piet riss die Augen auf. „Da … das geht nicht“, stammelte er. „Das zerreißt mir den Rotor.“

„Mach es bitte!“, sagte Anders-Jonas eindringlich. „Es muss sein! Der Skelletto schnappt schon danach. Wenn er ihn erwischt, kriegt er uns auch!“

„Also gut.“ Ohne weiter nachzudenken tat Piet, was der Wichtel von ihm verlangte. Die Wirkung ließ nicht lang auf sich warten. Sobald sich das Öl im sowieso schon glühenden Verteiler erhitzt hatte, explodierte es regelrecht und spritzte über den Heckrotor dem Skelletto ins geöffnete Maul. Der begann sofort zu würgen, um den heißen, klebrigen Schleim wieder loszuwerden, und musste die Verfolgung des U-Bootes aufgeben.

Kurz darauf gab es einen Knall. Wie Piet befürchtet hatte, war der Heckrotor nun hin, aber vor lauter Erleichterung, dass sie den Skelletto ausgetrickst hatten, machte ihm das nicht mehr viel aus. Er drosselte die Geschwindigkeit, damit der Motor geschont werden konnte, und drehte sich zu seinen Mitfahrern um.

„So, Leute“, sagte er, „den Skelletto sind wir los, die Gespenster vom Schrottplatz auch, aber außer den Holzrudern hab ich jetzt auch keinen Heckrotor mehr. Das einzig Gute ist, dass wir es nicht mehr allzu weit bis zur Küste haben. Trotzdem …“

„Piet“, unterbrach ihn der Weihnachtsmann, „mach dir keine Sorgen. Wenn wir zu Hause sind, rüsten wir dein U-Boot natürlich wieder komplett auf. Wir besorgen dir alles, was kaputtgegangen ist, und bauen es dir auch ein. Du hast doch gesehen, wie gut das mit der Antriebswelle lief.“ Er räusperte sich. „Allerdings … Es geht erst nach Weihnachten, okay? Du weißt ja …“

„Ach ja, die Geschenke für die Kinder.“ Piet nickte. „Die gehen vor.“

„Wisst ihr was?“, fragte er nach einer kurzen Pause, „ich habe eine Idee: Wir tauchen jetzt auf und fahren das letzte Stück über Wasser. Und weil ja Weihnachten vor der Tür steht, schmücken wir das U-Boot ein bisschen. Im Kabuff vor der Kombüse liegen eine Lichterkette und Tannenzweig-Girlanden. Die ziehen wir oben auf.“

Die Wichtel waren sofort Feuer und Flamme. „Yeah!“, riefen sie begeistert, „wir helfen dir! Wir machen aus dem Kahn ein richtig tolles Weihnachts-U-Boot!“

So nahm die abenteuerliche Fahrt zu den Schafsinseln ein fröhliches Ende. Als der Weihnachtsschmuck angebracht war, durfte Anton-Jochen sogar noch seine Piratenflagge hissen, worüber der Weihnachtsmann zuerst ein bisschen entsetzt war, sich dann aber von der ausgelassenen Stimmung anstecken ließ.

Am Morgen des 23. Dezember erreichten sie ohne weitere Zwischenfälle den Heimathafen. Das war in der Tat reichlich knapp, um alle Geschenkauslieferungstouren rechtzeitig auf den Weg zu bringen. Deshalb mussten der Weihnachtsmann und seine Wichtel ein bisschen improvisieren und bringen seitdem manchen Kindern ihre Geschenke erst in der Nacht zum 25. Dezember.