Dann eines Vormittags – niemand wollte mehr wissen, wie viel Zeit inzwischen vergangen war, um nicht noch nervöser zu werden – spürte man ein unregelmäßiges Schlingern. Anatol-Joshua rannte zum Bildschirm, denn Piet lag seit Tagen nur in seiner Koje. Im Licht des Bugscheinwerfers sah er undeutlich mehrere Tintenfische, aber erst nachdem er die Linse für den Rundum-Spion aktiviert hatte, begriff er, dass ein ganzer Schwarm das U-Boot umkreiste. Ein besonders großer Tintenfisch schien die anderen kleineren anzuweisen, sich mit ihren Saugnäpfen an den Schiffsrumpf zu kleben.
„Los, holt Piet her!“, rief Anatol-Joshua Anders-Jonas und Anton-Jochen entgegen, die gerade auf die Kommandobrücke gerannt kamen.
„Bin schon da“, japste der etwas außer Atem, denn die Schaukelbewegungen hatten ihn aufgeweckt.
„Was siehst du da draußen?“
„Viele Tintenfische“, antwortete Anatol-Joshua. „Was wollen die von uns?“
Piet schob ihn beiseite. „Lass mich mal.“
„Gute Nachrichten?“, wollte der Weihnachtsmann wissen, der ebenfalls aufgeregt zur Brücke hinaufstieg.
„Die besten seit Langem“, sagte Piet und strahlte über das ganze Gesicht, als er sich zu seinen Mitfahrern umdrehte. „Das da draußen sind grünfleckige Tintenfische. Halten normalerweise so was wie Winterschlaf. Aber dieser Schwarm hier tut das scheinbar nicht, denn sie haben sich ans U-Boot angesaugt und werden uns jetzt aus dem Baruda-Gras herausziehen. Das kommt nur alle Jubeljahre mal vor. Leute, heute haben wir endlich mal Glück!“
Tatsächlich brauchten die grünfleckigen Tintenfische weniger als eine Stunde, um das U-Boot zu befreien. Geschickt zogen sie es Meter um Meter aus dem Dickicht heraus, bis schließlich kein bisschen der tückischen Schlingpflanzen mehr zu sehen war. Nach erfolgreicher Arbeit lösten sie sich mit einem lauten „Plopp“ – für jeden Saugnapf – vom Schiffsrumpf und verschwanden im weiten Meer.
„Wir sind wieder frei!“, jubelten die Wichtel, und der Weihnachtsmann führte einen Freudentanz auf. Piet holte eine Dose mit Blätterteigschiffchen, die er eigentlich nur für höchste Feiertage in der Kombüse aufbewahrte, und ließ alle zugreifen. Die Fahrt konnte weitergehen.
Schon im Lauf der Nacht wurde klar, dass der Sturm abflaute. Kein Gurgeln und Brausen war mehr zu hören, und mit der aufgehenden Sonne am Morgen verzog sich auch unter Wasser die Dunkelheit. An Bord des U-Bootes gab das Echolot aufgeregte Töne von sich und zeigte damit die ersten Ausläufer der Sandbank vor den Schafsinseln an. Piet schaltete einen zusätzlichen Peilsender ein, damit sie das gesunkene Schiff nicht verfehlen konnten. Der Weihnachtsmann und die Wichtel schauten gespannt auf den Bildschirm, denn jeder wollte der Erste sein, der den havarierten Kahn entdeckte.
„Da ist er!“, kreischte Anton-Jochen schließlich, als ein Schatten in Sichtweite kam.
„Quatsch nicht, das ist was anderes“, meinte Anatol-Joshua, „der Peilsender …“
Ehe er weiterreden konnte, schlug der jedoch an und meldete etwas in geringer Entfernung zum U-Boot in der Tiefe.
„Siehste!“, triumphierte Anton-Jochen, „hab ich’s doch gewusst!“
„Nur kein Streit“, sagte der Weihnachtsmann wie so oft und schaute zu Piet: „Hast du schon eine Idee, wie wir das gesunkene Schiff heraufholen können?“
Piet, der den Motor stoppte, legte die Stirn in tiefe Falten. „Na ja, … nee, … wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung.“
„Lass mich nur machen“, meldete sich Anders-Jonas zu Wort. „Piet, du hast doch sicher einen roten Zerstreuer für den Bugscheinwerfer, oder? Wenn du den einsetzt, locken wir ein paar Doppelwale an.“
„Wie, Doppelwale?“, fragte Piet, „in dieser Gegend gibt es überhaupt keine Doppelwale.“
„Deswegen brauchen wir ja den roten Zerstreuer“, erklärte Anders-Jonas. „Du wirst sehen, es funktioniert.“
„Na schön.“ Obwohl Piet von der Aktion nicht überzeugt war, ließ er über die von ihm selbst erfundene Vespertilio-Fernsteuerung den roten Zerstreuer ausfahren und vor den Bugscheinwerfer montieren. Dann schaltete er die Rotation ein, was zur Folge hatte, dass nun starke Strahlen in Form von roten Blitzen ins Meer hineinschossen.
„Feuerwerk!“, brüllten die Wichtel begeistert.
Der Weihnachtsmann zog die Nase kraus.
„Hmm … so weit, so gut“, stellte Piet fest. „Und jetzt?“
„Abwarten“, versprach Anders-Jonas. „Gleich werden wir sie sehen.“
Fortsetzung folgt…







