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Teil 3 von 7

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Elisabeth Willner Bürgerin aus Ingolstadt

Ozonen-Strömung – Sägefische am Ruder

Veröffentlicht am 19.12.2025

Das U-Boot fuhr auf dem einigermaßen ruhigen Meer gemütlich dahin. Piet hatte sich dafür entschieden, die ersten Stunden nicht gleich volles Tempo zu geben, in der Hoffnung, dass keine weiteren Maschinenprobleme auftauchten. Schließlich war sein treues Gefährt nicht mehr das Jüngste. Kurz nach dem Mittag, der Weihnachtsmann hatte sich soeben zu ihm auf die Kommandobrücke gesellt, überlegte Piet, nun unter Wasser weiterzufahren. Während des Sinkvorgangs hörten beide das Kreischen der Wichtel, wobei nicht klar war, ob sie Angst hatten oder besonders viel Spaß. Als Piet die von ihm berechnete Tiefe erreicht hatte, erhöhte er die Geschwindigkeit.

„Noch ein paar Seemeilen weiter, dann werde ich außerdem die hölzernen Ruder ausfahren“, erklärte er dem Weihnachtsmann. „Die brauche ich immer, um die blassblaue Ozonen-Strömung zu durchqueren. Ohne die Ruder hätten wir keine Chance. Was glaubst du, wie viele U-Boote, auch viel größere als meins, es da schon in den Kreisel ohne Morgen gezogen hat? Nee, nee, das Risiko gehe ich nicht ein.“

Piet nickte selbstgefällig, aber der Weihnachtsmann wurde etwas käsig um die Nase.

„Bin ich froh, dass du so ein erfahrener Seemann bist“, murmelte er und umklammerte seinen Haltegriff fester.

Piet behielt seine Bordinstrumente konzentriert im Blick, und sobald auf dem Bildschirm der Anfang der blassblauen Ozonen-Strömung angezeigt wurde, ließ er die acht hölzernen Ruder, nämlich vier auf jeder Seite, aus dem Rumpf des U-Bootes herausfahren. Dies geschah unter einem solchen Gepolter und Geruckel, dass kurz darauf Anatol-Joshua, Anders-Jonas und Anton-Jochen nach Luft japsend auf die Kommandobrücke stürmten.

„Was war das für ein Geschepper?“

„Sind wir auf Grund gelaufen?“

Und: „Das hörte sich aber gar nicht gut an!“, riefen sie durcheinander, sodass der Weihnachtsmann beruhigend auf sie einreden musste und ihnen die Sache mit den Rudern erklärte. Piet grinste. Seine Mitfahrer waren schon echte Landratten!

Die blassblaue Ozonen-Strömung zog sich über eine längere Strecke hin. Dank der perfekt eingestellten Schlagfrequenz der Holzruder konnte das U-Boot sie jedoch ziemlich ungestört passieren. Das Einzige, was Piet, der Weihnachtsmann und die Wichtel zu spüren bekamen, war eine sich ständig wiederholende, wellenartige Auf- und Abbewegung. Während dies den Wichteln sogar Spaß machte und sie bald um die Wette „hey-hopp“ brüllten, wurde es dem Weihnachtsmann übel.

„Ich gehe dann mal“, murmelte er mit leiser Stimme und wankte nach unten.

„Wir haben es gleich geschafft“, wollte Piet ihm noch nachrufen, da war er schon verschwunden.

Es wurde von Minute zu Minute ruhiger. Schließlich hatten sie die blassblaue Ozonen-Strömung hinter sich gelassen und kamen wieder in normales Fahrwasser.

„Ich lasse die Ruder noch etwas mitlaufen“, erklärte Piet den Wichteln. „Das ist besser für die Halterungen, und der Schmierölfilm kann sich wieder in den Behältern sammeln.“

Anatol-Joshua, Anders-Jonas und Anton-Jochen nickten fasziniert, denn die technischen Fähigkeiten des U-Bootes interessierten sie enorm. Da Piet nun nicht mehr wie vorher ständig seine Instrumente im Auge behalten musste, stellten sie ihm etliche Fragen. Im Nu waren die vier in ein ausführliches Fachgespräch vertieft, sodass sie die kratzenden Geräusche, die in die Kabine vordrangen, gar nicht hörten. Erst als das U-Boot begann, unsanft hin und her zu schaukeln, wurden sie aufmerksam.

„Was ist denn jetzt wieder los?“, kreischte Anton-Jochen.

Piet stürzte an den Bildschirm zurück. „Gnade uns der Klabautermann!“, rief er entsetzt aus, „die Sägefische!“

„Sägefische? Bist du sicher?“, fragte Anatol-Joshua zweifelnd.

„Leider ja, und gleich drei Stück. Sie versuchen, die Ruder zu kappen. Sägefische lieben es, aus Holz Kleinholz zu machen.“

„Wir müssen sie verscheuchen“, meinte Anders-Jonas, der immer möglichst praktisch dachte.

„Da hilft nur eins“, sagte Piet, „volle Kraft voraus. Wir versuchen, über die höchste Geschwindigkeit, sie loszuwerden.“

Er bediente hektisch mehrere Hebel. Mit kurzer Verzögerung schoss das U-Boot wie ein Pfeil nach vorne. Darauf waren die Wichtel natürlich nicht gefasst und fielen übereinander, was die nächste Schreierei auslöste.

„Bleibt auf dem Boden sitzen und haltet euch gegenseitig fest!“, brüllte Piet sie gegen den Lärm an. „Und betet einen Skelletto herbei!“

Seemeile um Seemeile raste das U-Boot durchs Meer. Die Sägefische waren gute Schwimmer und verhakten sich geschickt in die hölzernen Ruder. Es war nichts zu machen, sie ließen sich einfach nicht abschütteln. Schließlich kam es, wie es kommen musste: Beinahe gleichzeitig brachen die drei Ruder ab, an denen je ein Sägefisch hing, und trudelten mit ihnen in die Tiefe. Noch zwei weitere Ruder konnten dem hohen Tempo nicht standhalten und knackten kurz darauf ebenfalls weg. Piet – „Gnade uns der Klabautermann“, murmelte er zum zweiten Mal – sah so traurig aus, dass die Wichtel, die immer noch zusammengekauert auf dem Boden hockten, nicht wagten, sich zu mucksen.

„Für heute reicht es mir“, sagte Piet leise. „Es ist sowieso bald Abend.“

Langsam ließ er das U-Boot auftauchen und warf den Anker.


Fortsetzung folgt…