YouTube IconFacebook IconInstagram Icon
_EMSi

Entdecke Ingolstadt – Events, Highlights & Stadtleben

Hero Image for Follow Up Report Teil 2 von 7

Teil 2 von 7

Author Image for Elisabeth Willner
Elisabeth Willner Bürgerin aus Ingolstadt

Neue Antriebswelle – Aufbruch zur See

Veröffentlicht am 19.12.2025

Am übernächsten Tag wurde Piet frühmorgens von merkwürdigen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. Verwundert schob er den Vorhang seines Schlafkammerfensters zur Seite und sah, dass der Weihnachtsmann vorgefahren war. Vier mächtige Rentiere, die nun mit ihren Hufen im Schnee herumstampften, hatten gleich zwei aneinandergehängte Schlitten gezogen. Vom ersten sprangen der Weihnachtsmann und drei kleine Männchen in grünen Lodenanzügen herunter, und auf dem zweiten lag eine große Kiste. Eilig raffte sich Piet seine Latzhose über den Schlafanzug und lief in die Werkstatt hinüber, wo der Weihnachtsmann schon laut an die Tür pochte. Sobald Piet aufgeschlossen hatte, schleppten die Wichtel die Kiste heran und setzten sie vorsichtig auf dem Fußboden ab.

„Da ist die neue Antriebswelle drin“, sagte der Weihnachtsmann nicht ohne Stolz, „und Anatol-Joshua, Anders-Jonas und Anton-Jochen werden dir helfen, sie einzubauen.“

„Hä?“, fragte Piet verständnislos.

„Na, das sind wir“, erklärte der eine Wichtel, der Anders-Jonas hieß.

Piet rieb sich schlaftrunken die Augen.

„Könnt ihr das denn?“

„Also hör mal!“, rief Anatol-Joshua fast schon ein bisschen beleidigt, „wir sind die Wichtel vom Weihnachtsmann. Was glaubst du, was wir alles können!“

„Nur kein Streit“, beschwichtigte der Weihnachtsmann. „Piet, du bist sicher noch nicht richtig wach und solltest erst mal eine Tasse Tee trinken. Meine Wichtel können in der Zeit alles vorbereiten, dann geht es mit der Reparatur ruck, zuck. Ich stelle mir das nämlich so vor, dass wir dein U-Boot heute Nachmittag zum Meer bringen und morgen früh in Richtung der Schafsinseln aufbrechen.“

„Und wir kommen mit!“, krähte Anton-Jochen, der eine ziemlich schrille Stimme hatte, begeistert.

„Zu fünft bergen wir dann das havarierte Schiff!“

„Äh … ich … ich dachte“, stotterte Piet, „ich dachte, es geht nur um das Holzspielzeug.“

„Natürlich, natürlich“, griff der Weihnachtsmann sofort ein und zupfte dabei nervös an seinem langen Bart herum.

Damit war Anatol-Joshua aber nicht so ganz einverstanden. „Chef, du hast selbst gesagt, dass wir den gesunkenen Kahn auf die Sandbank vor den Inseln bringen müssen. Da kann dann auch das U-Boot auftauchen, und wir können die Kisten umladen. Wie sollen wir denn sonst an das Spielzeug herankommen?“

Der Weihnachtsmann schwieg und sah angestrengt auf seine Stiefel hinunter.

„Ach so ist das“, murmelte Piet. „Na, dann weiß ich das ja jetzt wenigstens auch schon.“

Da breitete der Weihnachtsmann die Arme aus und umfasste Piets Schultern. „Gemeinsam schaffen wir das. Du bist der beste U-Boot-Kapitän weit und breit. Um alles andere kümmern wir uns, oder, Männer?“

„Jawohl, Chef!“, riefen die Wichtel im Chor und sahen dabei ganz feierlich aus.

„Dann soll’s mir recht sein“, meinte Piet und ging in die Küche hinüber, um Teewasser aufzusetzen.

Tatsächlich ging die Reparatur des U-Bootes im Lauf des Vormittags flott voran. Die drei Wichtel erwiesen sich als tatkräftige Helfer, und unter Piets Anweisungen war bis zum Mittag die kaputte Antriebswelle aus- und die neue eingebaut. Der Weihnachtsmann karrte auf seinem Schlitten einen großen Topf voll dampfender Kartoffelsuppe herbei, die sich alle fünf gemeinsam schmecken ließen. Diesmal befand sich hinter dem Personenschlitten ein langer Auflieger, der für den Transport des U-Bootes bestimmt war. Jetzt gab es für Piet kein Zurück mehr. Ein bisschen wehmütig schloss er, als alles sicher verladen war, die Werkstatt zu und wünschte sich im Stillen, bald wieder da zu sein.

Grauweiße Schneewolken hingen tief über der Küste, als Piet, der Weihnachtsmann und seine Wichtel am Morgen danach das U-Boot zu Wasser ließen. Der Hafen-Hein, ein entfernter Verwandter von Anders-Jonas, hatte ihnen ein Zimmer zum Übernachten gegeben und versprochen, sich um die Rentiere zu kümmern. So brauchte sich der Weihnachtsmann keine Sorgen zu machen. Sorgen machte sich allerdings Piet, denn die Wettervorhersage für die nächsten Tage hörte sich gar nicht gut an. Schon wieder wurde rund um die Schafsinseln ein Sturmtief erwartet. Und das Schiff, das sie bergen wollten, lag in tiefer Dunkelheit auf dem Meeresgrund. Piet seufzte. Wenn das mal alles gut ging …

„Hast du eine Piratenflagge?“, quäkte Anton-Jochen mitten in seine trüben Gedanken hinein.

„Wie? Eine Piratenflagge? Wozu das denn?“

Piet meinte, nicht richtig zu hören.

„Dann ist es ja gut, dass ich eine habe“, erklärte der Wichtel. „Wir sollten sie hissen, sobald wir fahren. Das schreckt die echten Piraten ab. Wann geht’s denn los?“

„Jetzt“, sagte Piet, der noch die Instrumente gecheckt hatte, „aber die Piratenflagge ziehen wir nicht auf.“

Und bevor Anton-Jochen anfangen konnte zu lamentieren, schob er hinterher: „Übrigens bin ich hier der Kapitän.“


Fortsetzung folgt…